Vorträge

Vorträge zu historischen aber auch zeitgenössischen Aspekten der Kunst, Architektur, Literatur, Geschichte, Musik und Politik des Landes bilden einen Schwerpunkt unserer deutsch-italienischen Kulturarbeit. Unsere Referenten sind Experten auf ihrem Gebiet und halten seit vielen Jahren bundesweit Vorträge.


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Italiens und Deutschlands Aufbruch in die Moderne – ein Vergleich

19. Februar um 19:30 - 21:00

Referent: Prof. Dr. Dipper, Darmstadt

Wie sind Deutsche und Italiener in die Gegenwart gekommen? An drei Beispielen – der Nationalstaatsgründung, der faschistischen bzw. nationalsozialistischen Diktatur und den neuesten Herausforderungen seit der Ölkrise 1973 – soll diese Frage beantwortet werden. Es wird sich zeigen, dass entgegen verbreiteter Ansicht und obwohl sich beide Gesellschaften seit langem besonders intensiv betrachten und gelegentlich zum Vorbild nehmen, stets die Unterschiede größer waren als die Gemeinsamkeiten. Über die Ursachen wird zu reden sein.


Eine gastronomische Entdeckungsreise durch Friaul-Julisch Venetien. Un viaggio alla scoperta dei saperi e sapori del Friuli Venezia Giulia.

3. April um 19:30 - 21:00

Die Küche der Region Friaul – Julisch Venetien, welcher im nordöstlichsten Zipfel Italiens liegt, und an Venetien, Österreich und Slowenien  grenzt, ist wie keine andere Küche Italiens nicht nur von ihrer Landschaft sondern auch von ihrer wechselvollen Geschichte beeinflusst, denn die Region wurde in früheren Zeiten von vielen Herrschern regiert, darunter die Republik Venetien, die Habsburger, die österreichische KuK-Monarchie und das Königreich Italiens. Angesichts dieser komplizierten Geschichte, der unterschiedlichen Traditionen und vor allem den unterschiedlichen Sprachen, ist es kein Wunder, dass auch die  Küche der Region  sehr vielfältig ist und nicht nur auf lokalen kulinarischen Traditionen beruht, sondern auch Einflüsse der Nachbarn Slowenien und Österreich zeigt. In jedem Fall (ist die Küche wegen der nördlichen geografischen Lage der Region nur bedingt eine mediterrane Küche. Es handelt sich vor allem um eine Küche der Berge und Hügel. Eine Ausnahme stellen die Rezepte  der Gegend um die Hafenstadt Triest dar.   Frico, liptauer, Jota, zuppa di kren, gnocchi di zucca, frittata di pesce, gubana, koch di riso, strucolo de pomi….  nur um einige Spezialitäten der Region zu erwähnen. Ein Beitrag über die Küche dieser Region wäre unvollständig, wenn man nicht über ihre Weine sprechen würde, denn aus der Region stammen einigen der besten Weine Italiens, und zwar sowohl weiße als auch rote. Niemand kann sich  den Genuss einen  Tajut   entziehen,  einen Gläschen Wein am späten Vormittag oder frühen Abend in einer Osteria oder Bar, oft begleitet vom Verzehr einer Scheibe Schinken oder einem Bröckchen Montasiokäse, ein noch immer gern gepflegtes Ritual.
Sind Sie bereit für die gastronomische Entdeckungsreise? Dann los geht’s: auf ins Friaul!

Unsere Referentin Laura Melara-Dürbeck lebt seit vielen Jahren in Deutschland, das Land, das zu ihrer zweiten Heimat wurde. Nach dem Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Bologna und Heidelberg war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johann Wolfgang von Goethe Universität zu Frankfurt und an der Fachhochschule Wiesbaden tätig. Als Mitinitiatorin und Mitbegründerin der Initiative BILIS gründete sie vor etwa 20 Jahren den ersten bilingualen (deutsch-italienisch) Schulzweig an einer Frankfurter Grundschule.
Ihre Leidenschaft für Literatur und Kulinaristik ließ sie die gastro-literarische Agentur „Porta un libro a cena“ ins Leben rufen, die sich an alle Liebhaber der guten Küche und der Literatur wendet.
Seit 12 Jahren ist sie Mitglied der Accademia Italiana della Cucina (A.I.C.). Seit Januar 2014 führt sie die Delegation der A.I.C. in Frankfurt am Main.


Mir komme die „Hölle“ ganz abscheulich vor, das „Fegefeuer“ zweideutig und das „Paradies“ langweilig. Goethe liest Dante.

16. Mai um 19:30 - 21:00

Referent: Dr. Paul Kahl, Erfurt

Der große Dichter Italiens – der große Dichter Deutschlands, beide könnten kaum unterschiedlicher sein. Eine gemeinsame Behandlung, ein Vergleich erscheint kaum naheliegend und jedenfalls begründungsbedürftig, und zwar ebenso ein Vergleich der beiden Biografien wie ein Vergleich der beiden literarischen Hauptwerke, der Göttlichen Komödie wie der Faust-Dichtung. Der Goethe-Dante-Vergleich ist eine deutsche Mode des neunzehnten Jahrhunderts gewesen; er ging weniger von den beiden Werken aus, als vielmehr von den Personen als Symbolen ihrer Nation (Stichwort: „Kulturnation“, kulturelle Symbole kompensieren die noch nicht vollzogene staatliche Einheit, in Deutschland wie in Italien – oft besonders an den Rändern, vgl. das Dante-Denkmal in Trient). Offenbar sollte die Gegenüberstellung Goethe aufwerten und, als Symbolfigur, gleichrangig neben den Italiener stellen, und offenbar sollte auf diese Weise auch, mit einem im neunzehnten Jahrhundert üblichen, zuerst von Schelling begründeten Vergleich, Faust aufgewertet werden, vor allem dessen unverstandener, ‚formloser‘ zweiter Teil, indem er in eine Reihe tritt mit der Göttlichen Komödie und ihrer großartigen Architektonik. So konnte Kuno Fischer 1878 behaupten, Faust sei „unsere divina commedia“.


Von Nero zu Tosca. Politik in der italienischen Oper

5. Juni um 19:30 - 21:00

Referent: Dr. Frank Piontek, Bayreuth

Monteverdis Nero, Mozarts Figaro, Verdis Nabucco und Attila, Puccinis Tosca und Dallapiccolas „Gefangener“ – sie alle eint die Tatsache, dass sie in Opern auftreten, die zu ihrer Zeit besondere politische Bedeutungen hatten, die heute nicht mehr ohne weiteres verständlich sind. Sie spiegeln ihr Zeitalter und die gesellschaftlichen Probleme, die die Komponisten und Librettisten in ihren schlagkräftigen, bisweilen provokanten und schockierenden Werken bearbeiteten. In einem Vortrag mit Musikbeispielen gibt Dr. Frank Piontek(Bayreuth)  einen Überblick über einige wichtige und musikalisch hinreissende italienische Werke: von der Renaissance über das Risorgimento (die italienische Freiheitsbewegung), die Zeit um 1900, in der der politische Terror auch in die italienischen Opernhäuser einzog, und die frühe Nachkriegszeit.